Peterson: Vakuum, S.Fischer Verlag

Die Menschheit – in diesem Fall vor allem die US-amerikanische Menschheit – steht vor der größten anzunehmenden Katastrophe: der völligen Auslöschung nicht nur des Planeten, sondern letzten Endes des gesamten Universums. Es bleibt nur eines – dem Beispiel eines unbekannten fremden Raumschiffs zu folgen, das der Erde im Vorbeifliegen noch eine kurze Warnung zusendet …

»Wann?«, fragte Colin leise.
Susan ließ die Schultern hängen. »Ich kann es nicht genau sagen. Ein Jahr? Vielleicht zwei?«

Phillip P. Peterson - Vakuum

In einer Anstrengung, die die gesamte Wirtschaftsleistung der Nation aufzuzehren droht, bauen die Vereinigten Staaten ein Weltenschiff, in dem eine Auswahl an Erdenbürgern (wieder: US-Bürger) vor der Katastrophe flüchten soll. Es wird eine Flucht bleiben, so viel ist sicher. Der Kataklysmus wird letzten Endes das bekannte Universum verschlingen. Bis zu dieser fernen Zukunft jedoch soll der Rest der Menschheit als kosmisches Rettungsboot auf der Bugwelle des Vakuums durchs All schlingern.

Peterson legt seine Handlung in zwei Hauptsträngen an. Da ist zum einen die Gegenwart, in der die Gefahr erkannt und das Weltenschiff gebaut wird. Zum anderen zeichnet der Autor das Bild einer vermeintlich vorzeitigen Nomadengesellschaft. Erst im weiteren Verlauf wird deutlich, in welchem Zusammenhang die beiden Erzählräume stehen.

Zu bieten hat die Handlung sowieso einiges. Schon die Voraussetzung, dass ein kosmisches Vakuum am Ende alles – ja, alles! – verschlingen wird, öffnet den Raum für epische Größe. Darüber vergisst Peterson aber nicht, in kleineren Strukturen den Zerfallsprozess einer Gesellschaft abzubilden, die sich selbst zum Wohl einer kleinen Minderheit auffrisst. 

Die handelnden Personen sind glaubwürdig dargestellt und unterliegen tatsächlich (das ist in diesem Genre absolut nicht selbstverständlich) glaubwürdigen Persönlichkeitsentwicklungen. Exemplarisch ist hier der Hauptprotagonist der gegenwärtigen Handlung: Er mausert sich vom Kotzbrocken zum … ja, zu einem im Rahmen der Erzählung komplexen, liebevollen Menschen. Und das vor der Kulisse einer Welt, die sich buchstäblich in Nichts auflöst.

Dieser Gegensatz von Groß und Klein, von Technik und Menschelei macht den Reiz von “Vakuum” aus. Das ist sicherlich kein neuer Kunstgriff, aber Peterson führt ihn souverän und lesernah durch. Dabei legt er die Messlatte seinem sujet gemäß sehr hoch: Durch den enormen zeitlichen Versatz der beiden Handlungsstränge gelingt es ihm sogar, einen Eindruck der unvorstellbar großen Distanzen im All zu vermitteln – eine Idee von der Flucht ins Unendliche vor dem unausweichlichen Ende.

 “Vakuum” ist ein Roman, der Spaß macht und die Leserin von Anfang an, über die sich stetig steigernde Krise hinweg bis zum schwebend hoffnungsvollen Ende, mitzieht. Darüber hinaus hat Peterson hier einen Text vorgelegt, der das Genre der Science Fiction konsequent durchführt und damit bestätigt – kein Märchen im All, kein “Krieg und Frieden” mit Raumschiffen, sondern Zukunftsmusik mit großem Orchester.

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