Es ist einer gewissen Nostalgie geschuldet, dass ich Jan Bosses Inselkrimi "Öömrang" gelesen habe. Dieser Nostalgie wird Genüge getan. Ansonsten gibt es wenig zu sagen, weder im Schlechten noch im Guten.

Das ist eher schlecht, ich weiß.

Zwei Dinge stören mich wirklich. Zum einen, dass im Grunde schon nach ein paar Seiten überdeutlich wird, welche Fraktion letzten Endes den Mörder stellen wird. Tatsächlich plappert es schon der Umschlag des Buches aus, der das hic androides geradezu lächerlich laut heraus plärrt. Denn ja: In diesem Krimi gibt es Androiden.

Jan Bosse - Öömrang, PiperVerlag
Jan Bosse – Öömrang, PiperVerlag

Was hätte man aus diesem Setting machen können! Angst vor dem Fremden? Die fundamentale Verunsicherung angesichts der Unfähigkeit, die eigenen Artgenossen als solche zu erkennen? Eine Auseinandersetzung mit der grundsätzlichen moralischen Frage nach Selbstbestimmung, Intelligenz, ja: der Definition von Leben?

Statt dessen beschränkt sich die Reaktion der Inselbewohner angesichts des komplett Andersartigen auf ein: "Ach? Sie sind einer von denen?". Verschenkt? Geschenkt. Dass der Klappentext Parallelen zu Douglas Adams und Jasper Fforde impliziert, zeugt allerdings von latentem Größenwahn.

Zumindest ist es weitgehend egal, dass die Leserin schon von Anfang an weiß, woher die steife Nordseebrise weht. Einen solchen Krimi liest man ohnehin nicht wegen der Handlung. Ein paar nette Landschaftsbeschreibungen werden immerhin geboten.

Mein zweiter Kritikpunkt ist penibler und wiegt dennoch schwerer. Weshalb heißt der Text "Öömrang"? Ja, der Roman spielt auf Amrum und der dortige Dialekt wird mit eben diesem zugegebenermaßen klangvollen Wort bezeichnet. Das spielt aber absolut keine Rolle. Es ist, als hätte Melville seinen Moby Dick schlicht "Hafen" genannt: Kommt drin vor, tut aber nichts zur Sache. Das ist ein kleiner Betrug am Leser.

Mehr ist weder zu sagen noch zu meckern. Ich habe "Öömrang" von vorne bis hinten durchgelesen. Ohne großen Schaden zu nehmen, allerdings auch ohne große Freude. Für Amrumfans bietet der Regionalkrimi ein paar Stunden Kopfurlaub. Da stören die Androiden kaum.